15.08.2023

Das neue öffentliche Beschaffungsgesetz stärkt den Baustoff Holz

 

Das Jahr 2021 markiert eine Wende im öffentlichen Vergabewesen. Denn seit da steht ein völlig anderer Wert im Fokus als zuvor. Während vorher die Wirtschaftlichkeit im Zentrum stand, liegt der Fokus neu vor allem auf der Qualität. Die Änderung der gesetzlichen Grundlage bietet eine riesige Chance, die noch lange nicht ausgeschöpft ist. Ein wichtiger Qualitätsaspekt ist die Nachhaltigkeit. Die Nachhaltigkeit eines Produkts ist im Vergleich zu anderen Kriterien nicht auf den ersten Blick erkennbar und erfordert daher eine unabhängige Überprüfung.

Der Staat (Bund, Kantone, staatliche Betriebe, Elektrizitätswerke, SBB usw.) vergibt pro Jahr Aufträge im Wert von über 40 Milliarden Franken. Es erstaunt daher nicht, dass die Kriterien, nach denen staatliche Institutionen und Betriebe ihre Aufträge vergeben, die Richtung beeinflussen, in die sich die Wirtschaft entwickelt.

Eine nachhaltigere Strategie

Bekanntlich ist es eine der Pflichten eines Rechtsstaats, alle Bürgerinnen und Bürger nach gleichen Massstäben zu behandeln. Im öffentlichen Vergabewesen fasste dieser Grundsatz jedoch erst kurz vor Jahrtausendwende Fuss. Vor der Einführung des öffentlichen Beschaffungsrechts konnten Vergabestellen die Aufträge nach Sympathie vergeben und zum persönlichen Vorteil nutzen. Im Jahr 1996, als das Bundesgesetz über die öffentliche Beschaffung (BöB) eingeführt wurde, strebte die Wirtschaft primär eine Marktöffnung an, weshalb das Hauptkriterium bei der Vergabe ganz klar der Preis war: Alles musste so günstig und effizient wie möglich ausgeführt werden. Dass diese Strategie nicht immer zu den besten und vor allem nicht zu den nachhaltigsten Ergebnissen führt, erachtete man damals als nebensächlich. Das Nachsehen hatte die Umwelt. Gleichzeitig fielen häufige und teure Unterhaltsarbeiten an.

Seit einiger Zeit findet in der Gesellschaft und der Wirtschaft zunehmend ein Umdenken statt. Besorgte Bürgerinnen und Bürger riefen Umweltorganisationen und Labels wie FSC ins Leben. Die grosse Nachfrage, auf welche Labelprodukte heute stossen, zeigt, dass viele Menschen den Wert von nachhaltigen Produkten schätzen und eine nachhaltige Herstellung eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung von KonsumentInnen spielt.
Langsam aber sicher nimmt der Wertewandel nun auch Einzug in die schwerfällige Welt der Politik und Gesetzessammlungen. Das zeigte sich etwa im Jahr 2021, als das neue Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) in Kraft trat. Die Änderung des Gesetzes brachte klar zum Ausdruck, dass ein Paradigmenwechsel weg von möglichst günstig hin zu mehr Qualität stattfindet. Neu werden Aufträge nicht mehr primär nach ihrer Wirtschaftlichkeit bewertet, sondern nach der erbrachten Qualität. Im Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) änderte sich der Wortlaut folgendermassen:

Früher:

«Das wirtschaftlich günstigste Angebot erhält den Zuschlag. […]»

Heute:

«Das vorteilhafteste Angebot erhält den Zuschlag.»

Die Änderung des Beschaffungsrechts stellt für den nachhaltigen und klimafreundlichen Rohstoff Holz eine riesige Chance dar. Ein mögliches Zuschlagskriterium in öffentlichen Ausschreibungen ist die Nachhaltigkeit des Angebots. Durch den Entscheid des Auftraggebers, Nachhaltigkeit als Zuschlagskriterium zu definieren, erhöhen sich die Erfolgschancen des Baustoffs Holz.

Kulturwandel ist notwendig

Das neue Beschaffungsrecht ist ein markanter Paradigmenwechsel. Auch wenn der Werte- und Kulturwandel Antreiber der Gesetzesänderung war, ist dieser noch keine abgeschlossene Entwicklung und hat noch lange nicht alle Verwaltungsgebäude erreicht. Viele öffentliche Institutionen haben seit der Inkraftsetzung des neuen Beschaffungsrechts zwar ihre Beschaffungsstrategie angepasst – tatsächlich verändert hat sich hingegen oftmals nichts. Es scheitert etwa daran, dass die Ausschreibungsvorlagen nicht angepasst werden oder die geforderten Kriterien bei der Vergabe letztendlich ausser Acht gelassen werden. So wird beispielsweise „FSC oder gleichwertig“ verlangt, bei der Vergabe jedoch ein Anbieter berücksichtigt, der selber nicht über ein entsprechendes Zertifikat verfügt.

Was die Änderung des Beschaffungsgesetzes für FSC-zertifiziertes Holz bedeutet

Der Bund ist aufgrund des Waldgesetzes dazu verpflichtet, Holz aus nachhaltigen Quellen zu verwenden. Ein Teil der Kantone hat eine entsprechende Bestimmung bereits in ihr Waldgesetz aufgenommen, weitere kommen nach. Dadurch gewinnt nicht nur der Baustoff Holz, sondern insbesondere auch Holz aus zertifizierter Quelle an Bedeutung.  Nur Zertifizierungssysteme wie FSC garantieren, dass ein Holzprodukt tatsächlich aus einem nachhaltig bewirtschafteten Wald stammt. Das FSC-System ermöglicht die Nachverfolgung der gesamten Lieferkette. Nur durch Rückverfolgbarkeit und eine unabhängige Prüfung wird sichergestellt, dass ein Holzprodukt aus einem verantwortungsvoll bewirtschafteten Wald stammt. Der Grundstein für mehr Nachhaltigkeit in der Baubranche ist gelegt. Nun gilt es, die neuen gesetzlichen Bestimmungen, die den Weg zu einem nachhaltigeren Schweizer Gebäudepark ebnen, in die Praxis umzusetzen.

Im nächsten Beitrag unserer Artikelserie FSC ® in Holzbausubmissionen widmen wir uns ausführlich dem FSC und dessen entscheidenden Rolle in der Baubranche. Wir beleuchten, warum der FSC gerade für Holz als Baustoff von enormer Bedeutung ist und welche Vorteile er im Vergleich zu anderen Labels bietet. Darüber hinaus erfahren Sie, wie der FSC dazu beiträgt, Bussgelder zu vermeiden und nachhaltige Praktiken zu fördern.