Waldbesitzende und -Bewirtschafter
Ökosystemleistungen nachweisen und profitieren
Die Ökosystemleistungen des Waldes sind in aller Munde. Auch forstpolitisch sind sie das Thema der Stunde.
Trockene Sommer, erhebliche Waldschäden und niedrige Holzpreise werfen die Frage auf, welche Zukunft das Geschäftsmodell Forstwirtschaft hat. Wir glauben, dass sich die Forstwirtschaft nicht mehr allein über den Holzverkauf finanzieren kann. Wir sind zudem überzeugt, dass der gesellschaftliche Druck auf die Forstwirtschaft weiter steigen wird. Vor allem im öffentlichen Wald wird man zunehmend fragen, welche Leistungen der Wald erbringt, wem sie zugutekommen und wie sich die gesamten Ökosystemleistungen sichern lassen.
Messen Sie Ihre Bemühungen, präsentieren Sie Ihre Wirkung
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Die FSC–Zertifizierung von Ökosystemleistungen bringt für Forstbetriebe zusätzlichen Aufwand mit sich. Dieser lohnt sich nur, wenn die Vorteile überwiegen, in der Regel durch Sponsoring von Partnerunternehmen. Die Höhe des Sponsorings hängt von den Zielen und Beiträgen der Beteiligten ab und lässt sich frei verhandeln.
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Öffentliche Forstbetriebe profitieren von der FSC–Zertifizierung auch ohne direkte Einnahmen: Sie stärkt ihre Glaubwürdigkeit in der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Zusätzliche Logos und die Möglichkeit, geförderte Ökosystemleistungen hervorzuheben, zeigen, dass der Wald nicht nur Holz liefert, sondern das Management dem Gemeinwohl dient.
6 Schritte zur Zertifizierung
Grundlage für die Zertifizierung von Ökosystemleistungen ist eine gültige FSC-Zertifizierung. Wenn Sie noch nicht FSC zertifiziert sind, finden Sie hier die Informationen dazu. Das Audit zur FSC-Zertifizierung und die Zertifizierung von FSC-Ökosystemleistungen kann gleichzeitig durchgeführt werden.
1. Auswahl der beabsichtigen Ökosystemleistung(en)
Die FSC–Systematik bietet sieben Ökosystemleistungen zur Auswahl. Sie entscheiden selbst, welche Leistungen Sie in Ihrem Betrieb nachweisen wollen. Sie können mehrere Ökosystemleistungen gleichzeitig und auf derselben Fläche belegen. Für jede Ökosystemleistung wählen Sie, ob Sie den aktuellen Zustand erhalten oder verbessern oder einen bestimmten Zustand wiederherstellen möchten.
2. Entscheidung über die Zielsetzung
Das Verfahren bietet verschiedene Nachweise: Es unterscheidet zwischen Verifizierung und Validierung einer Ökosystemleistung. Die Validierung zeigt, dass ein Projekt alle Vorgaben des FSC–Verfahrens erfüllt und sich eignet, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Verifizierung belegt darüber hinaus, dass das Projekt bereits erste Zwischenziele erreicht und nachgewiesen hat.
3. Auswahl der Wirkungen
Für jede der sieben FSC–Ökosystemleistungen nennt der Standard konkrete Wirkungen, die den Nachweis für ihre Erfüllung liefern. Zu jeder Ökosystemleistung entscheidet der Betrieb, ob er den aktuellen Zustand erhält, verbessert oder einen bestimmten Zustand wiederherstellt. Die Wirkungen sind klar definiert und verbindlich festgelegt. Der Betrieb kann nur aus diesen vorgegebenen Wirkungen wählen. Um eine Ökosystemleistung nachzuweisen, muss er mindestens eine Wirkung angeben, darf aber auch mehrere aufführen.
4. Beschreibung eines Entwicklungsmodells (Theorie der Veränderung)
Ein Entwicklungsmodell muss jede angestrebte Wirkung klar beschreiben. Wichtig sind dabei der ursächliche Zusammenhang zwischen den Bewirtschaftungsmassnahmen und der Wirkung sowie die Festlegung messbarer Ergebnisse und Zwischenziele. Man kann ein solches Modell entweder von den Maßnahmen ausgehend oder von der gewünschten Wirkung her entwickeln.
5. Sammlung von Vergleichswerten und benötigten Daten
Um die gewählte Wirkung zuverlässig nachzuweisen, wählen Sie für jede Wirkung messbare Ergebnisindikatoren aus. Für den Nachweis der Umsetzung erfassen Sie zu jedem Indikator die nötigen Betriebsdaten, den geforderten Vergleichswert und die Mindestanforderung, die der Betrieb erfüllen muss.
6. Audit
Die Ökosystemleistungen können beim regulären FSC-Audit zusätzlich mit geprüft werden. Bitte kontaktieren Sie für den genauen Ablauf ihre Zertifizierungsstelle.
Die FSC-Ökosystemleistungen im Überblick
Kohlenstoff
Vor dem Hintergrund des Klimawandels spielt die Bindung von Kohlenstoff sowohl im Wald als auch in langlebigen Holzprodukten eine grosse Rolle. Als FSC konzentrieren wir uns v.a. auf den Waldspeicher und auf die Möglichkeiten, wie Waldbesitzende auf die Speicherleistungen Einfluss nehmen können.
Zwei Massnahmen zeigen hier unmittelbare und deutliche Effekte auf den Waldspeicher: die Ausweisung von Teilflächen, die nicht bewirtschaftet werden (sog. Naturwaldentwicklungsflächen) sowie der schrittweise Aufbau von Holzvorräten. Der Kohlenstoff, der durch diese Massnahmen zusätzlich gebunden wird, kann ermittelt und kommuniziert werden. Die Anpassung von Waldökosystemen an den Klimawandel durch eine entsprechend angepasste Waldbewirtschaftung wird durch die FSC-Zertifizierung grundsätzlich bereits befördert.
Biotop- und Artenschutz
Durch die Art und Weise des Waldmanagements können Biotop- und Artenschutzaspekte massgeblich beeinflusst werden. Entsprechende Vorgaben sind im Deutschen FSC-Standard bereits sehr ausführlich enthalten und der Waldbewirtschaftende ist dementsprechend mit vielen Einschränkungen konfrontiert. So muss die Bewirtschaftung angepasst werden, um mögliche negative Beeinträchtigung von gefährdeten Arten oder lokalen Populationen besonders geschützter Arten zu vermeiden. FSC-Waldbesitzende setzen Pflanzenschutzmittel wenn überhaupt nur auf Grundlage gesetzlicher Verpflichtung und unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein. Ausserdem ist der Einsatz nicht-heimischer Baumarten beschränkt, ebenso die Befahrung und Bearbeitung des Waldbodens oder die Möglichkeit, Kahlschläge durchzuführen.
Wasserschutz
Beim Thema Wasserschutz geht es um Wassereinzugsgebiete, den Wasserrückhalt im Wald und die Wasserqualität. Durch die Art der Bestockung kann der Waldbewirtschaftende Einfluss auf den Wasserschutz nehmen. So steigt z.B. das Sickerwasservolumen bei hohen Laubbaumanteilen. Die Waldbewirtschaftung, genauer, das Verbot von schematischen Hiebsverfahren wie Kahlschlägen und die Orientierung an Dynamik und Struktur natürlicher Waldgesellschaften, verhindern das starke, aktive Auflichten FSC-zertifizierter Wälder. Verdunstung wird damit eingeschränkt und Grundwasserneubildung unterstützt. Extensive Befahrung, die Verwendung von biologisch schnell abbaubaren Ölen und die stark eingeschränkten Möglichkeiten des Pflanzenschutzmitteleinsatzes begünstigen ausserdem die Qualität des Trinkwassers und tragen damit nachweisbar zum Wasserschutz bei.
Bodenschutz
FSC empfiehlt langfristig eine Obergrenze von 10 % der Holzbodenfläche, um die sensible Ressource Waldboden zu schützen und eine nachhaltige Wertschöpfung der Forstbetriebe sicherzustellen. Konkret bedeutet das, dass im Wald weniger Strassen vorhanden sind und der Boden durch Harvester und andere Maschinen im Wald weniger verdichtet wird.
Erholung
Unmittelbare Anforderungen an den FSC-Waldbewirtschaftenden mit Bezug auf die Erholungsleistung von Wäldern finden sich bisher kaum bei FSC. Mittelbar allerdings gibt es eine Reihe von engen Beziehungen zwischen dem Deutschen FSC-Standard und dem Thema Erholung. Am augenscheinlichsten und von Experten am wertvollsten bewertet ist die Verpflichtung, Bürger oder sogenannte Stakeholder eng in die Bewirtschaftungsplanung einzubeziehen. Massnahmen, welche die Bürger im Beteiligungsverfahren negativ bewerten, die also z.B. den Erholungswert einschränken würden, müssen angepasst werden. Weil nicht immer klar ist, von welchen forstlichen Massnahmen sich Bürgerinnen und Bürger besonders betroffen fühlen, ist es für den Waldbesitzenden wichtig, diese Perspektive zu kennen. Durch Befragungen und intensiven Austausch können die Waldbewirtschaftenden die Belange miteinbeziehen und Rücksicht nehmen.
