Waldbesitzende und -Bewirtschafter

Ökosystemleistungen nachweisen und profitieren

Die Ökosystemleistungen des Waldes sind derzeit in aller Munde und auch forstpolitisch das Thema der Stunde. Angesichts trockener Sommer, einschlägiger Waldschäden und niedriger Holzpreise stellt sich die Frage, welche Zukunft das Geschäftsmodell Forstwirtschaft hat. Wir glauben, dass eine Finanzierung über den Holzverkauf alleine nicht mehr trägt und sind davon überzeugt, dass auch der gesellschaftliche Druck auf die Forstwirtschaft weiter steigen wird. Vor allem im öffentlichen Wald wird zunehmend die Frage gestellt werden, welche Leistungen der Wald erbringt, an wen sich diese richten und wie die gesamten Ökosystemleistungen sichergestellt werden können. 

Messen Sie Ihre Bemühungen, präsentieren Sie Ihre Wirkung

  • Mit dem Nachweis von Ökosystemleistungen durch die FSC-Zertifizierung wird zusätzlicher Aufwand für Forstbetriebe entstehen. Dieser Aufwand rechtfertigt sich nur, wenn entstehende Vorteile höher wiegen – das wird vor allem ein Sponsoring durch Partnerunternehmen sein. Wie hoch dieses Sponsoring ist, ist abhängig von den Wünschen und Leistungen der Akteure und grundsätzlich frei verhandelbar.

  • Für öffentliche Forstbetriebe bieten die Nachweise von FSC-Ökosystemleistungen aber auch unabhängig von direkten Einnahmen zusätzliche Glaubwürdigkeit in der Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Mit weiteren Logos und der damit einhergehenden Möglichkeit, geförderte Ökosystemleistungen im Wald zu betonen, wird deutlich, dass die Holznutzung nicht die alleinige Rolle spielt, sondern Waldmanagement zum Wohle Aller im Zentrum der Aktivitäten steht.

     

 

6 Schritte zur Zertifizierung 

Grundlage für die Zertifizierung von Ökosystemleistungen ist eine gültige FSC-Zertifizierung. Wenn Sie noch nicht FSC zertifiziert sind, finden Sie hier die Informationen dazu. Das Audit zur FSC-Zertifizierung und die Zertifizierung von FSC-Ökosystemleistungen kann gleichzeitig durchgeführt werden.

1. Auswahl der beabsichtigen Ökosystemleistung(en)
Die FSC-Systematik ermöglicht die Auswahl von fünf Ökosystemleistungen. Sie können selber bestimmen, welche Ökosystemleistung(en) Sie in Ihrem Betrieb nachweisen wollen. Es ist möglich, mehrere Ökosystemleistungen im gleichen Betrieb und auf der gleichen Fläche nachzuweisen. Pro Ökosystemleistung wird unterschieden, ob Sie den aktuellen Zustand erhalten bzw. verbessern oder einen bestimmten Zustand wiederherstellen möchten.

2. Entscheidung über die Zielsetzung
Das Verfahren ermöglicht unterschiedliche Nachweise: es wird unterschieden zwischen Verifizierung oder Validierung einer Ökosystemleistung.
Die Validierung bestätigt einem Projekt, dass es alle erforderlichen Elemente des FSC-Verfahrens enthält und geeignet ist, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Verifizierung bestätigt zusätzlich, dass bereits erste Zwischenziele erreicht und nachgewiesen wurden.

3. Auswahl der Wirkungen
Für jede der fünf FSC-Ökosystemleistungen sind konkrete Wirkungen benannt, die als Beleg für die Erbringung herangezogen werden müssen. Pro Ökosystemleistung wird unterschieden, ob Sie den aktuellen Zustand erhalten bzw. verbessern oder einen bestimmten Zustand wiederherstellen möchten.
Insgesamt sind 20 Wirkungen definiert (Wirkung W1.1, W1.2, etc.) und verbindlich vorgegeben. Nur diese Wirkungen können vom Betrieb gewählt werden. Als Beleg für die Umsetzung einer Ökosystemleistung muss mindestens eine Wirkung benannt werden, es können aber auch mehrere aufgeführt werden.

4. Beschreibung eines Entwicklungsmodells (Theorie der Veränderung)
Ein Entwicklungsmodell muss für jede gewählte Wirkung beschrieben werden. Entscheidend ist einerseits der ursächliche Zusammenhang zwischen Bewirtschaftungsmassnahmen und Wirkung, andererseits die Definition von messbaren Ergebnissen und auch Zwischenergebnissen. Ein Entwicklungsmodell kann auf unterschiedliche Weise erstellt werden, beginnend mit den Massnahmen oder beginnend mit der erwünschten Wirkung.

5. Sammlung von Vergleichswerten und benötigten Daten
Um einen zuverlässigen Nachweis der gewählten Wirkung zu garantieren, müssen je Wirkung quantifizierbare Ergebnisindikatoren ausgewählt werden. Zum Nachweis der Umsetzung gehören zu jedem Ergebnisindikator die erforderlichen Betriebsdaten, die geforderte Referenz (Vergleichswert) und die Mindestanforderung an den Betrieb, die zur Erfüllung notwendig ist.

6. Audit
Die Ökosystemleistungen können beim regulären FSC-Audit zusätzlich mit geprüft werden. Bitte kontaktieren Sie für den genauen Ablauf ihre Zertifizierungsstelle.

Die FSC-Ökosystemleistungen im Überblick

Kohlenstoff

Vor dem Hintergrund des Klimawandels spielt die Bindung von Kohlenstoff sowohl im Wald als auch in langlebigen Holzprodukten eine grosse Rolle. Als FSC konzentrieren wir uns v.a. auf den Waldspeicher und auf die Möglichkeiten, wie Waldbesitzende auf die Speicherleistungen Einfluss nehmen können.

Zwei Massnahmen zeigen hier unmittelbare und deutliche Effekte auf den Waldspeicher: die Ausweisung von Teilflächen, die nicht bewirtschaftet werden (sog. Naturwaldentwicklungsflächen) sowie der schrittweise Aufbau von Holzvorräten. Der Kohlenstoff, der durch diese Massnahmen zusätzlich gebunden wird, kann ermittelt und kommuniziert werden. Die Anpassung von Waldökosystemen an den Klimawandel durch eine entsprechend angepasste Waldbewirtschaftung wird durch die FSC-Zertifizierung grundsätzlich bereits befördert.

Biotop- und Artenschutz

Durch die Art und Weise des Waldmanagements können Biotop- und Artenschutzaspekte massgeblich beeinflusst werden. Entsprechende Vorgaben sind im Deutschen FSC-Standard bereits sehr ausführlich enthalten und der Waldbewirtschaftende ist dementsprechend mit vielen Einschränkungen konfrontiert. So muss die Bewirtschaftung angepasst werden, um mögliche negative Beeinträchtigung von gefährdeten Arten oder lokalen Populationen besonders geschützter Arten zu vermeiden. FSC-Waldbesitzende setzen Pflanzenschutzmittel wenn überhaupt nur auf Grundlage gesetzlicher Verpflichtung und unter Beteiligung der Öffentlichkeit ein. Ausserdem ist der Einsatz nicht-heimischer Baumarten beschränkt, ebenso die Befahrung und Bearbeitung des Waldbodens oder die Möglichkeit, Kahlschläge durchzuführen.

    Wasserschutz

    Beim Thema Wasserschutz geht es um Wassereinzugsgebiete, den Wasserrückhalt im Wald und die Wasserqualität. Durch die Art der Bestockung kann der Waldbewirtschaftende Einfluss auf den Wasserschutz nehmen. So steigt z.B. das Sickerwasservolumen bei hohen Laubbaumanteilen. Die Waldbewirtschaftung, genauer, das Verbot von schematischen Hiebsverfahren wie Kahlschlägen und die Orientierung an Dynamik und Struktur natürlicher Waldgesellschaften, verhindern das starke, aktive Auflichten FSC-zertifizierter Wälder. Verdunstung wird damit eingeschränkt und Grundwasserneubildung unterstützt. Extensive Befahrung, die Verwendung von biologisch schnell abbaubaren Ölen und die stark eingeschränkten Möglichkeiten des Pflanzenschutzmitteleinsatzes begünstigen ausserdem die Qualität des Trinkwassers und tragen damit nachweisbar zum Wasserschutz bei.

    Bodenschutz

    FSC empfiehlt langfristig eine Obergrenze von 10 % der Holzbodenfläche, um die sensible Ressource Waldboden zu schützen und eine nachhaltige Wertschöpfung der Forstbetriebe sicherzustellen. Konkret bedeutet das, dass im Wald weniger Strassen vorhanden sind und der Boden durch Harvester und andere Maschinen im Wald weniger verdichtet wird.

    Erholung

    Unmittelbare Anforderungen an den FSC-Waldbewirtschaftenden mit Bezug auf die Erholungsleistung von Wäldern finden sich bisher kaum bei FSC. Mittelbar allerdings gibt es eine Reihe von engen Beziehungen zwischen dem Deutschen FSC-Standard und dem Thema Erholung. Am augenscheinlichsten und von Experten am wertvollsten bewertet ist die Verpflichtung, Bürger oder sogenannte Stakeholder eng in die Bewirtschaftungsplanung einzubeziehen. Massnahmen, welche die Bürger im Beteiligungsverfahren negativ bewerten, die also z.B. den Erholungswert einschränken würden, müssen angepasst werden. Weil nicht immer klar ist, von welchen forstlichen Massnahmen sich Bürgerinnen und Bürger besonders betroffen fühlen, ist es für den Waldbesitzenden wichtig, diese Perspektive zu kennen. Durch Befragungen und intensiven Austausch können die Waldbewirtschaftenden die Belange miteinbeziehen und Rücksicht nehmen.