Ökosystemleistungen

Waldpartnerschaft: FSC-Ökosystemleistungen fördern und sichtbar machen

Der Klimawandel schreitet voran, die Artenvielfalt schwindet weltweit. Nachhaltig bewirtschaftete Wälder sind in dieser Situation unverzichtbar. Als Lebensraum bewahren sie die Artenvielfalt, von der wir alle abhängen. Unser Ziel muss es sein, den durch den Klimawandel bedrohten Wald in gutem Zustand zu erhalten. Das gelingt durch nachhaltige Waldwirtschaft und die gezielte Förderung von Ökosystemleistungen. 

Ökosystemleistungen umfassen alle Vorteile, die die Natur dem Menschen bietet, durch Lebensräume, Tiere und Pflanzen. Der Mensch nutzt sie und ist auf sie angewiesen. In FSC-zertifizierten, nachhaltig bewirtschafteten Wäldern fallen diese Leistungen nachweislich höher aus als in konventionell genutzten Forsten.

Um den Nachweis zu ermöglichen, hat FSC eine Methode entwickelt, die Ökosystemleistungen misst und zertifiziert: FSC Verified Impact. Sie erfasst Leistungen wie Biotop- und Artenschutz, Wasser- und Bodenschutz sowie Erholung. Jeder Forstbetrieb entscheidet, welche Ökosystemleistungen (ÖSL) er für sein Waldstück belegen möchte. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle prüft die erreichten Ziele und veröffentlicht den Bericht. So lässt sich nachvollziehen, ob eine zertifizierte ÖSL tatsächlich erhalten oder wiederhergestellt wurde.

FSC nennt diese Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzenden und Unternehmen Waldpartnerschaft.

Für Unternehmen – Waldpartner:in werden

Ein Unternehmen, das eine Waldpartnerschaft eingeht, fördert mit finanzieller Unterstützung den Erhalt konkreter Ökosystemleistungen in einem FSC-zertifizierten Wald. Im Gegenzug erhalten sie überprüfbare Daten für ihre Nachhaltigkeitsberichte und ein konkretes Projekt, über das sie berichten können.

Für Waldbesitzende – Ökosystemleistungen zertifizieren

Waldbesitzende, die ihre Ökosystemleistungen zertifizieren lassen, zeigen, wie ihr Wald Klima, Wasser, Boden und Artenvielfalt schützt. Damit schaffen sie eine neue Basis, um Unternehmen als Sponsoren zu gewinnen.

Internationale Waldprojekte mit Ökosystemleistungen

Unternehmen auf der ganzen Welt erzielen mit FSC eine messbare Wirkung

Stadtwald Boppard: ÖSL-zertifiziert und unterstützt von Möbel ROLLER

Im Rahmen der FSC-Waldpartnerschaft mit dem nach FSC-Ökosystemleistungen zertifizierten Stadtwald Boppard fördert ROLLER die Naturwaldentwicklung (ruhende Holznutzung) auf 20 ha und nachhaltige Wiederbewaldungsmassnahmen auf 25 ha Waldfläche. Hier entwickelt sich der Urwald von Morgen, der als Quell- und Trittsteinbiotop wertvolle Lebensräume für Arten bietet, die auf die Alters- und Zerfallsphasen des Waldes angewiesen sind. Auch unterstützt ROLLER die Gestaltung naturnaher Waldränder, die als natürliche Schutzbarriere des Waldes gegenüber Einflüssen von aussen agieren. In fünf Jahren werden durch diese Initiativen etwa 1500 Tonnen CO₂ gespeichert. Dies stärkt die ökologische Bedeutung von Boppard und festigt die Stadt als zweitgrösste kommunale Waldbesitzerin in Rheinland-Pfalz im UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal.

(c) Roller GmbH Co. & KG
Bürgermeister Jörg Haseneier und Margit Gronen von der Stadt Boppard erhielten den Scheck zur Unterstützung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Stadtwald Boppard von Dr. Michael Heller, Geschäftsführer bei der Roller GmbH & Co. KG. Stadtforstamtsleiter Axel Henke führte anschliessend durch den Wald (v.li.). Foto: Roller GmbH Co. & KG

Projektbeschreibung

Im Kommunalwald Boppard gibt es ein relativ ausgewogenes Verhältnis von jungen und alten Beständen mit einem rückgängigen Nadelholzanteil. Dieser verringerte sich von 36 % im Jahr 1997 auf aktuell 21 % (2020). Durch Förderung von Wiederbewaldung und natürlicher Sukzession nehmen die Laubwälder und Laubholzanteile in den Mischbeständen zu, was sich positiv auf die lokale Biodiversität auswirkt.

Die ÖSL Kohlenstoffspeicherung trägt zum UN Ziel 13 – „Klimaschutz“ bei, indem die Speicherfunktion des Waldes erhalten bleibt und gefördert wird. Der deutsche Wald bindet im Holz und im Mineralboden etwa 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff und mindert so die Erderhitzung und ihre Folgen. Im Stadtwald Boppard beträgt die gespeicherte Menge an CO2 aktuell ungefähr 453.600 Tonnen. Der Möbelhersteller ROLLER fördert die ÖSL Kohlenstoffspeicherung im Rahmen einer Waldpartnerschaft.

Das Unternehmen sponsert die Naturwaldentwicklung auf 20 ha, nachhaltige Wiederbewaldungsmassnahmen auf 25 ha Waldfläche und die Gestaltung naturnaher Waldränder. Auf den Naturwaldentwicklungsflächen ruht die Holznutzung. 

Die ÖSL Wasserschutz entspricht dem SDG 6 – „sauberes Wasser und Hygiene“. Ansatzpunkte im Stadtwald Boppard sind der Erhalt oder die Verbesserung der konkreten Wasserqualität und der generelle Schutz des gesamten Wassereinzugsgebietes durch naturnahe Wälder mit guter Filter- und Wasserrückhalteleistung. Der gesamte Stadtwald Boppard ist relevant für den Gewässerschutz. Von besonderer Bedeutung sind die Flächen unmittelbar entlang der Gewässer. Einwohner:innen werden stromabwärts durch das Gewässermanagement im Bopparder Wald vor Überflutung geschützt.

Die ÖSL Erholung im Wald korrespondiert mit dem Ziel 3 – „Lebensqualität für alle“ und dem Ziel 4 – „Erziehung und Bildung“. Mögliche Leistungen sind die Erhaltung und Entwicklung von touristisch relevanten Gebieten und gezielte Schutzmassnahmen für bestimmte Tierarten.

Die Stadt Boppard investiert gezielt in ein ungestörtes Waldbild mit Erholungsfunktion und zieht dadurch etwa 300 000 Waldbesucher:innen im Jahr an. Insgesamt sind 1079 Hektar als „Erholungswald“ definiert. Auf 50 Hektar weisen die Stadt Boppard in Kooperation mit der Mittelrheinklinik der RVA in Boppard-Bad Salzig einen Kur- und Heilwald aus, in dem die gesundheitsfördernden Wirkungen des Waldes genutzt werden. Die Stadt Boppard hat im Rahmen der FSC ÖSL eine eigene App entwickelt, um die Zufriedenheit der Waldbesucher:innen abzufragen. Schilder im Wald mit entsprechenden QR-Codes fordern die Besucher:innen zur Bewertung auf.

Namibia: Restauration der natürlichen Waldcharakteristiken

Die namibischen Wälder beherbergen eine reiche biologische Vielfalt und sind sowohl für die weidenden Arten als auch für den Lebensunterhalt der lokalen Gemeinschaften von grundlegender Bedeutung, sind jedoch durch das Vordringen des Busches und die Wüstenbildung bedroht. Die wichtigsten Ergebnisse dieses Projekts:

  • 72.230 Hektar Savannen wurden instand gesetzt
  • 1.408.643 Hektar zertifizierte Wälder werden wiederhergestellt
  • Verhinderung einer weiteren Wüstenbildung in den Regionen

Projektbeschreibung

Namibia, eines der dünnstbesiedelten Länder der Welt, kämpft mit der Verbuschung von 45 Millionen Hektar Savanne, was der Hälfte der Landesfläche entspricht. Invasive Dornenbüsche breiten sich aggressiv aus, entziehen dem Boden Wasser und führen zu Wasserknappheit. Dies hat dramatische Auswirkungen auf Wasserquellen, Pflanzen und die Tierwelt.

Die Verbuschung beeinträchtigt das Nahrungsangebot für Wildtiere, da Grasland verschwindet und durch dichte Büsche ersetzt wird. Dies wirkt sich besonders auf Raubkatzen wie Geparden aus, die ihre Beute verlieren. Zudem gefährdet die Entwicklung die Viehzucht, eine traditionelle Einkommensquelle. Klimawandelbedingte Dürreperioden verschärfen die Situation, zwingen kleinere Farmen zur Aufgabe und verringern die Wirtschaftlichkeit.

Die FSC-zertifizierte Holzkohleproduktion bietet eine Lösung, indem sie die ökonomische Lage der Farmen verbessert und die Nutzung des Landes wieder ermöglicht. Diese Holzkohle wird aus den dichten Büschen gewonnen, die unter extremen Bedingungen wachsen. Die Zertifizierung beinhaltet auch ein System zur Restauration der natürlichen Waldcharakteristiken, das ökologische Leistungen wie Kohlenspeicherung und Biodiversitätsschutz fördert. Dieser Ansatz ermöglicht es, soziale und wirtschaftliche Vorteile in das Waldmanagement einzubeziehen.

Der Wald von Cavalerie: Die biologische Vielfalt des mediterranen Waldes

Der Wald von Cavalerie liegt im Herzen des Regionalen Naturparks Luberon und weist eine erstaunliche Vielfalt auf: Die emblematische mediterrane Aleppo-Kiefer lebt neben Stechpalmen, Flaumeichen, Waldkiefern und Weisspappeln. ALCINA Forêts, der Waldverwalter, der diese Arbeit leitet, hat sich verpflichtet, diesen Wald nachhaltig zu bewirtschaften und die Vorteile zu nutzen, die er bieten kann. Die wichtigsten Ergebnisse dieses Projekts:

  1. 23 Tonnen Kohlendioxid werden in den nächsten 30 Jahren jährlich gespeichert
  2. Geschützte Lebensräume für wichtige Arten wie den Schlangenadler
  3. Schutz des Wasserlaufs in nahe gelegenen Flüssen

Monte del Pico Sacro: Wiederherstellung des Lebensraums für  Braunbären

Die asturischen Wälder sind ein bemerkenswerter Schatz für Spanien, ihre Flüsse versorgen die Bevölkerung und bieten Lebensraum für gefährdete Arten wie den Braunbären. Biesca Ingenieria, der verantwortliche Forstwirt, setzt sich für eine umweltverträgliche Forstwirtschaft ein, um den Braunbären zu helfen und die klimatischen Vorteile dieser Wälder für lokale Gemeinschaften und den Planeten zu bewahren.

Die wichtigsten Ergebnisse dieses Projekts umfassen die Speicherung von 184 Tonnen CO2 pro bewirtschaftetem Hektar Wald, die Wiederherstellung von Lebensräumen für bedeutsame Arten wie den Braunbären sowie den Schutz der Qualität des Teileinzugsgebiets des Ponga-Flusses.