20.05.2026

Gute Self-Care beginnt mit Wissen – warum man etwas benutzt, woher es kommt und warum Materialien zählen

© QUOALA

In der Interviewreihe «Drei Fragen an …» sprechen wir mit Menschen und Unternehmen, die sich für verantwortungsvolle Waldwirtschaft nach den Prinzipien des Forest Stewardship Council® (FSC®) engagieren.

Diesmal im Gespräch: Gregory Basmadjian, Gründer von QUOALA, einer Schweizer Self-Care-Marke, deren Produkte in Europa gefertigt werden – vor allem in Deutschland, ergänzend in Italien. QUOALA verbindet Design, Funktion, verantwortungsvolle Materialwahl und echte Alltagstauglichkeit. Dahinter steht die Überzeugung, dass gute Self-Care nicht nur schön aussehen soll, sondern auch verständlich, sinnvoll und bewusst gewählt sein darf – vom Material über die Herstellung bis hin zur Frage, warum ein Produkt genau so gebaut ist und nicht anders.

Herr Basmadjian, wie ist QUOALA entstanden und welches Bedürfnis haben Sie im Markt gesehen?

« Am Anfang stand bei mir weniger der Wunsch, einfach irgendeine Marke zu gründen, sondern eher die Beobachtung, dass mir im Markt etwas gefehlt hat. Bei Körperpflege-Tools habe ich oft nur zwei Extreme gesehen: auf der einen Seite sehr günstige, stark kunststofflastige Produkte mit wenig nachvollziehbarer Herkunft, auf der anderen Seite ökologisch positionierte Angebote, die zwar gute Absichten hatten, aber bei Design, Haptik oder Alltagstauglichkeit nicht immer überzeugt haben. Mir fehlte eine Marke, die diesen Spagat wirklich schafft: Produkte, die gut aussehen, gut funktionieren und verantwortungsvoller gemacht sind – ohne missionarisch zu wirken und ohne sich nur an eine kleine Öko-Nische zu richten. Genau diese Lücke will QUOALA schliessen.

Für mich beginnt gute Self-Care auch mit Wissen: Warum benutze ich etwas? Warum ist dieses Material gewählt worden? Warum Holz, warum Wildschweinborsten, warum Tampico in der veganen Linie, warum Bronze bei der Ionenbürste? Hinter diesen Entscheidungen steckt eben nicht nur Optik, sondern Funktion. Wildschweinborsten werden eingesetzt, weil sie durch ihre ähnliche Struktur wie menschliches Haar Sebum aufnehmen und bis in die Spitzen verteilen können; Tampico ist für die vegane Linie wichtig, weil die Faser viel Grip, Hitzebeständigkeit und Alltagstauglichkeit mitbringt; und bei den Ionenbürsten setzt QUOALA bewusst auf Bronze statt auf billigere Messingdrähte. Auch Holz ist nicht einfach nur «schön», sondern ein erneuerbarer, anti-statischer und haptisch starker Werkstoff. Genau dieses Zusammenspiel aus Material, Funktion und Anwendung ist für mich der Kern von QUOALA.

Und mir ist wichtig, dass Produkte nicht nur verantwortungsvoll gedacht sind, sondern im Alltag auch wirklich Freude machen. Sie sollen Menschen helfen, eine gute Self-Care-Routine leichter zu beginnen, lieber auszuführen und dauerhaft beizubehalten. Denn nur wenn Produkte gerne benutzt werden, werden sie Teil des Lebens. Und wenn Menschen genau so eine Alternative suchen, dann sollen sie sie bei QUOALA finden. »

Sie hätten den einfachen Weg wählen können: globale Beschaffung, schnelle Skalierung. Warum haben Sie sich für den anspruchsvolleren Weg mit europäischen Partnern und FSC®-Holz entschieden?

« Weil es für mich letztlich eine Frage der unternehmerischen Verantwortung ist. Natürlich muss ein Business wirtschaftlich tragfähig sein – das ist keine romantische Übung. Aber ich habe relativ früh gemerkt: Wenn ich etwas aufbaue, dann will ich Entscheidungen treffen, die ich auch vertreten kann. Das betrifft nicht nur das Produkt selbst, sondern auch Transportwege, Produktionsbedingungen, Materialstandards und die Frage, wie viel Transparenz man wirklich zulassen will.

Gerade für kleine Unternehmen ist das nicht einfach. Es gibt viele grosse Begriffe, aber oft wenig konkrete Orientierung. In dieser Phase war FSC Schweiz für mich eine wichtige Hilfe und eine der wenigen Stellen, mit denen ein echter, konkreter Austausch möglich war. Dafür bin ich dankbar. FSC-zertifiziertes Holz und europäische Partner sind für mich deshalb keine Dekoration am Produkt, sondern eine belastbare Orientierung. Als Einzelunternehmer kann ich nicht jeden Rohstoff bis zur Quelle selbst prüfen. Zertifizierungen lösen nicht alles – aber sie helfen mir, Verantwortung nicht nur zu behaupten, sondern strukturiert zu leben.

Und ich sehe QUOALA nicht nur als Marke, die vorhandene Lücken schliesst, sondern auch als Marke, die bessere Lösungen marktfähig machen will. Dafür braucht es nicht nur gute Absicht, sondern auch Relevanz, Verkauf und Reichweite. Nur was im Alltag ankommt, kann am Ende auch wirklich etwas bewegen. »

Wellness ist ein Markt voller Versprechen. Woran erkennt man bei QUOALA, dass Verantwortung mehr ist als ein schönes Wort?

« Ich glaube, man erkennt es genau dort, wo man nicht die bequemste Geschichte erzählt. Unser Anspruch ist es, drei Dinge zusammenzubringen: Produkte, die helfen und Freude machen. Eine Art zu wirtschaften, die so verantwortungsvoll wie möglich ist. Und Entscheidungen, die auch pragmatisch Sinn ergeben. Für mich ist Nachhaltigkeit nicht dogmatisch, sondern etwas, das im Alltag funktionieren muss. Genau darin liegt für mich Glaubwürdigkeit.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Handschlaufe bei Badebürsten. Das ist nur ein Detail in der ganzen Produktentwicklung – aber an solchen Details zeigt sich oft sehr gut, wie wir denken. Reine Baumwolle klingt auf den ersten Blick sehr natürlich, kann sich im nassen Gebrauch aber ausdehnen und an Halt verlieren. Bei Wettbewerbern sieht man auch Leder. Das wirkt zunächst wertig, hat funktional für mich aber ebenfalls Fragen aufgeworfen: Es ist kaum dehnbar, relativ hart, passt nicht automatisch jeder Hand gleich gut und ist im Badalltag unter Wasser für mich nicht die überzeugendste Lösung. Dazu kommt: Wir führen bewusst auch vegane Varianten. Wenn man bei einzelnen Produkten auf Leder setzt, verkompliziert man nicht nur die Sortimentslogik, sondern bricht sie an einer Stelle wieder auf.

Darum verwenden wir bei bestimmten Modellen bewusst ein elastisches Band. Nicht, weil das ideologisch perfekt wäre, sondern weil es derzeit die schlüssigste Lösung ist. Genau solche Entscheidungen meine ich: nicht dogmatisch, sondern sauber abgewogen. Das heisst nicht, dass es für immer so bleiben muss. Im Gegenteil – wenn morgen eine natürlichere Alternative mit denselben funktionalen Eigenschaften verfügbar ist, schauen wir sie uns sofort an.

Dasselbe gilt für Holz und Naturmaterialien insgesamt. Holz ist wertig, aber es lebt. Es reagiert auf Wasser, Trockenheit und Pflege. Wer sich für ein Naturprodukt entscheidet, bekommt nicht die synthetische Unempfindlichkeit von Plastik, sondern ein Material, das mit einer gewissen Sorgfalt behandelt werden will. Für mich ist genau das Verantwortung: nicht Perfektion vorspielen, sondern offen erklären, warum man etwas benutzt, woher es kommt und welche Entscheidung dahintersteht. Denn gute Self-Care beginnt nicht nur mit einem schönen Produkt – sondern mit dem Wissen darüber. »

Wir danken Gregory Basmadjian, Gründer von QUOALA für das Gespräch.