© Joeri Zwerts/Utrecht University

Neue Studie belegt: FSC-Standard erhält die Artenvielfalt in tropischen Wäldern

Niederländisches Forschungsteam zeigt in der renommierten Fachzeitschrift „Nature“, dass FSC-zertifizierte Gebiete im Vergleich zu herkömmlich bewirtschafteten Flächen u.a. eine 2,7-fach dichtere Population an Säugetieren über 100 Kilogramm aufweisen.

In FSC-zertifizierten Wäldern in Gabun und der Republik Kongo sind vergleichsweise mehr Grosssäuger und vom Aussterben bedrohte Arten beheimatet. Das ist das Ergebnis der am 10. April 2024 im Fachjournal Nature publizierten Studie „FSC-certified forest management benefits large mammals compared to non-FSC“ der Universität Utrecht mit Unterstützung des WWF und der Wildlife Conservation Society (WCS). Gegenstand der Untersuchungen war die Wirksamkeit der Massnahmen, die der Waldbewirtschaftungsstandard des Forest Stewardship Council® (FSC®) in zertifizierten Konzessionen zum Schutz von Wildtieren wie Gorillas und Elefanten vorsieht.

474 Kamerafallen beweisen: FSC-Wälder sind Rückzugsorte für Grosssäuger

Das Forschungsteam der Universität Utrecht unter Leitung von Dr. Joeri Zwerts nutzte zur Datenerhebung 474 strategisch platzierte Kamerafallen in sieben FSC-zertifizierten und sieben nicht FSC-zertifizierten Abholzungskonzessionen im Kongobecken, um einzelne Tiere zu erfassen. In den Gebieten generierte die Studie 1,3 Millionen Bilder und erfasste etwa 55 Säugetierarten, darunter Leoparden, Gorillas und andere gefährdete Arten.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass FSC-zertifizierte Gebiete im Vergleich zu herkömmlich bewirtschafteten Flächen eine 2,7-fach dichtere Population an Säugetieren über 100 Kilogramm, wie Gorillas und Waldelefanten, und eine 2,5-fach dichtere Population an Säugetieren in der Gewichtsklasse zwischen 30 und 100 Kilogramm, z.B. Leoparden und Schimpansen, vorweisen.

Kleinere Säugetiere wurden in FSC- und nicht FSC-zertifizierten Konzessionen wiederum ähnlich häufig gesichtet. Die Forscher:innen erklären das damit, dass die Artenvielfalt der Grosssäuger in der Regel stärker von Wilderei und Jagd betroffen ist. Dieser Effekt war sowohl in der Republik Kongo als auch in Gabun zu beobachten.

Deutlicher Zusammenhang zwischen Jagd und Verlust der Biodiversität

Die Studienergebnisse unterstreichen auch die zentrale Rolle der Jagd für den Verlust der biologischen Vielfalt und heben hervor, dass es in den FSC-zertifizierten Konzessionen mehr Wildtierspuren und weniger Hinweise auf Jagdaktivitäten gibt. Proaktive Massnahmen der zertifizierten Forstbetriebe, darunter die Sperrung alter Holzfällerstrassen, die Einrichtung von Kontrollpunkten und die Unterstützung alternativer Proteinquellen für die lokale Bevölkerung, dämmen illegale Jagdaktivitäten ein. Infolgedessen nahmen die angrenzenden Gemeinden weniger Wildfleisch zu sich, sodass sich auch das Aufkommen von Infektionskrankheiten, die wechselseitig zwischen Tier und Mensch übertragen werden können, reduzieren liess.

Darüber hinaus unterstreicht die Studie die positiven Auswirkungen der FSC-Zertifizierung auf die Samenverbreitung, den Nährstoffkreislauf und die Kohlenstoffspeicherung im Wald. Diese Erkenntnis stimmt mit den Ergebnissen einer 2019 in Nature Geoscience veröffentlichten Studie überein. Darin stellten die Autor:innen fest, dass die Kapazität zur Kohlenstoffspeicherung in tropischen Wäldern um durchschnittlich sieben Prozent sinkt, wenn dort keine Elefanten heimisch sind.

Verantwortungsvolle FSC-Waldbewirtschaftung erhält Artenvielfalt

Die Studie zeigt zudem, dass lokale Gemeinschaften aus der FSC-zertifizierten Waldbewirtschaftung einen grösseren wirtschaftlichen und sozialen Nutzen als aus der Rodung von Wäldern für den Anbau von Palmöl oder Soja ziehen. Nachhaltige Waldbewirtschaftung trägt aus diesem Grund sowohl zum Schutz der bestehenden Tropenwälder als auch zum Erhalt des Grosssäugerbestandes bei.

Neu ist der Vergleich von verschiedenen Waldgebieten miteinander – „ein grosses und ehrgeiziges Projekt, das fünf Jahre dauerte und an dem vor Ort hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt waren“, betont Dr. Zwerts. „Wir mussten sowohl zertifizierte als auch nicht FSC-zertifizierte Unternehmen für eine Teilnahme an der Studie gewinnen. Die Arbeit hat sich aber gelohnt, da die gewonnenen Erkenntnisse einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Tieren in tropischen Wäldern leisten werden.“

FSC-Zertifizierung: entscheidende Rolle für nachhaltiges Ressourcenmanagement

„Die Studie der Universität Utrecht unterstreicht die Kernprinzipien von FSC und unser Engagement für eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft“, sagt Kim Carstensen, Generaldirektor von FSC International. „FSC nimmt eine wichtige Rolle in der Förderung vielfältiger Ökosysteme und dem Schutz gefährdeter Arten in tropischen Wäldern ein. Davon profitieren lokale Gemeinschaften und die Umwelt.“

Dr. Peter Alele, FSC-Regionaldirektor für Afrika, ergänzt: „Die Studie im Kongobecken betont die entscheidende Rolle der FSC-Zertifizierung für ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Ressourcenmanagement in einer der lebenswichtigen grünen Lungen unseres Planeten. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass FSC die jeweiligen Regierungen dabei unterstützt, nationale und internationale Ziele in den Bereichen Entwaldung und Biodiversität zu erreichen und gleichzeitig die Lebensbedingungen der lokalen Gemeinschaften zu verbessern. Dieser Win-Win-Ansatz weist den Weg in eine nachhaltige Zukunft für das Kongobecken − und über dessen Grenzen hinaus.“

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